- 9.1.2012 11:43 -
Die Welt, in der Nummer 5 lebt
Robot World ist der zweite Teil der geplanten Filmtrilogie des deutschen Regisseurs Martin Hans Schmitt zum Thema „Technologie – Verstand – Evolution“. Als ersten Teil dieses Projekts zeigte Schmitt 2008 den Film Highway World. Dieser zusammengesetzte Film-Essay sinniert über die Arten der menschlichen Mobilität in der heutigen Gesellschaft. Er lässt absichtlich jedweden Kommentar weg und verlässt sich dabei nur auf die Kraft der Bilder, die von atmosphärischer Musik begleitet werden. Diesen „hymnischen“ Stil setzt Martin Schmitt auch in der Welt der Roboter fort. Ebenso wie im ersten Teil nimmt der zweite Teil dieser essayistischen Trilogie die Form einer bunten visuellen Collage an. Das Bildmaterial für den Film stammt vor allem aus den Archiven von technischen Universitäten auf der ganzen Welt und von Privatunternehmen, Industriemessen und Militärlaboren. Martin Schmitt wählte aus diesen Quellen beeindruckende 122 Filmstunden aus, die er anschließend zu einer 60 Minuten langen poetischen Vision der „Roboterevolution“ verarbeitete. Obwohl im Film keine einheitliche narrative Linie aufzuspüren ist, ist sein „evolutionäres“ Thema glasklar. Der Film hat die Struktur einer offenen Spirale, die zyklisch zu den einzelnen Stadien der Roboterentwicklung zurückkehrt, diese jedoch ständig variiert und verschiebt. Roboter durchlaufen Schmitts Ansicht nach eine ähnliche Entwicklung wie das Leben allgemein – von einfachen Schaltern (eine Art Einzeller) bis hin zu kybernetischen Fußballmannschaften, von den ersten Versuchen, eine menschliche Hand nachzuahmen, hin zur humanoiden Geigenspielerin. Dieses wahrhaftig „mechanische Ballett“ wird von der markanten Musik des englischen Geigenspielers und Komponisten Matt Howden begleitet, die die „hymnische“ Auffassung abrundet. Als ob der Regisseur an die bekannte Quatsi-Trilogie von Godfrey Reggio (die kongenial von der Musik von Philip Glass begleitet wird) anknüpfen möchte, die auf ihre Art und Weise das Dokumentarfilmgenre der Film-Ode neu definiert hat. Im Film Robot World treten neben „Komparsen“ – anonyme Automatik-Arme, mechanische Produktionsbänder, chirurgische Instrumente und Haushaltshelfer – auch tatsächliche Roboter-Celebritys auf. Unter den berühmten Figuren des realen Robo-Universums wie z. B. Asimo, HRP-2 und Justin darf auch Hiroshi Ishiguro mit seinem perfekten Roboter-Doppelgänger nicht fehlen. Der wundersame japanische Wissenschaftler ist unter anderem einer der Helden des dänischen Films Mechanical Love. Diesen Publikumserfolg der Regisseurin Phie Ambo, der wesentlich klassischer als Schmitts Film beschreibt, wie emotionale Bindungen zwischen Menschen und Robotern entstehen, finden Sie ebenfalls im Angebot des DAFilms-Portals. In der Woche vom 9. bis 15. Januar können Sie ihn noch dazu kostenlos ansehen.
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